Nils Wülker am 4. März im Stadtgarten
“Jazz braucht einen langen Atem!”
Meistens wird er in einem Atemzug mit Till Brönner genannt. Zudem begegnet man ihm in den Medien immer wieder als „bestaussehenster Trompeter Deutschlands“. Dass der Jazztrompeter Nils Wülker aber seine Kunst bestens beherrscht, hat sich inzwischen nicht nur unter Insidern rumgesprochen. Erst kürzlich ist das neue Album des gebürtigen Bonners erschienen, das er am 04. März 2009 im Stadtgarten präsentieren wird. Musik erzählt Geschichten. So deutlich, spannend, lebendig, ausführlich und eindringlich, wie der Musiker, der sie notiert und mitteilt. Mit seinem fünften Album „Turning the Page“, auf das ganz nebenbei alle oben erwähnten Adjektive zutreffen, schlägt der Komponist und Trompeter Nils Wülker jetzt selbstbewusst und spielfreudig ein neues Kapitel auf. Mehr denn je präsentiert sich der 30-jährige Wahlhamburger auf diesem Album als begnadeter musikalischer Erzähler und Dramatiker – irgendwo zwischen Dichtung und Wahrheit, Roman und Romanze, frei schwebend in einer schönen instrumentalen Musikwelt, die ihre Einflüsse ebenso aus dem Jazz wie den großen Singer/Songwritern unserer Zeit oder aus modernem Indie Rock und den unterschiedlichsten harmonischen Klangfarben der klassischen Musik bezieht.Die vierzehn Stücke des neuen Albums klingen durchweg noch kraftvoller, noch intensiver und zwingender, ohne dabei an Leichtigkeit und Harmonie zu verlieren. Die glücklichen Momente wirken noch positiver, die sentimentalen noch tiefer. Die fühlbare Aufbruchstimmung dieser Musik vermitteln Nils Wülker und seine langjährige Band mit Jan von Klewitz (sax), Lars Duppler (p), Dietmar Fuhr (b), Jens Dohle (dr) und einmal mehr dem Sting-Gitarristen Dominic Miller als Gastmusiker, unmittelbar und ansteckend. Immer wieder und immer gebannter hört man Nils Wülker und seinen Mitmusikern bei diesen musikalischen Abenteuern und Episoden zu, denn sowohl der sensationelle Bandsound, als auch Wülkers warmer Ton an Trompete und Flügelhorn und seine unkonventionelle, sehr eigenständige kompositorische Stimme bestechen durch Klarheit und Fülle. Das lässt selbst komplexe harmonische und rhythmische Wendungen und Wagnisse geschmeidig und elegant klingen. Nils Wülker, der seit der erfolgreichen Veröffentlichung seines letzten Albums „Safely Falling“ nicht nur viel mit der eigenen Band, sondern auch als virtuoser Gastsolist mit Dominic Miller, Ute Lemper und Omara Portuondo, der „Grande Dame“ des „Buena Vista Social Club“, auf Tour war, gelingt es auf „Turning the Page“ seine Musik reifer und ausdrücklicher auszuformulieren – manchmal vergehen zweieinhalb spannungsreiche, durchkomponierte Minuten bis zum ersten Solo. Gleichzeitig wirken seine „non-verbalen Top-Hits mit Tiefenwirkung“ (Die Welt) noch mehr wie Songs – sie sind trotz großer Formen singbar und verständlich geblieben. Es ist kein Widerspruch, aber doch eher die Ausnahme, dass etwas in großer, übergreifender Form notiertes, sehr direkt und klar, sehr persönlich und allgemein verständlich wirken kann. Nils Wülker, dem „jungen deutschen Jazzstar“, als den ihn Der Spiegel, Die Welt und etliche mehr erkennen, der mit seinen „raffiniert arrangierten Eigenkompositionen“ (3sat Kulturzeit) „die Schwerkraft ein Stück weit aufhebt“ (arte) und einen „einzigartigen melancholischen Atmosphärenzauber“ (STEREO) entfacht, gelingt dieses Kunststück immer wieder. Auf dem immer wieder aufs Neue begeisternden aktuellen Album „Turning the Page“ und natürlich auch live, ab September, bei seiner Tour zum neuen Album.